Self Defense Woman

Du bist knapp bei Kasse und so machst Du Dich auf den Weg zu einem Geldautomaten, um ein paar Zwanziger zu ziehen. Du wartest auf den Mann, der ihn vor Dir benutzt. Damit Du dem Bild des Kampfkünstlers gerecht wirst, für den Du Dich hältst, musterst Du ihn von Oben bis Unten, um zu sehen, ob er eine mögliche Bedrohung darstellt oder nicht und Du kommst zu dem Schluss, dass er nicht alle Bedingungen hierfür erfüllt.

Nachdem er seine Transaktion beendet hat und fortgeht hat sich Deine Vermutung, dass er harmlos ist bestätigt und nun bist Du an der Reihe an Dein Geld zu kommen. Sei mal ehrlich. Ist dies das Ausmaß Deiner situationellen Aufmerksamkeit an einem Geldautomaten? Du beobachtest wer vor Dir steht und dann bestimmst Du in Gedanken Freund oder Feind? Wenn das der Fall ist, es sicherlich ein gutes Ende, aber kein guter Anfang.

Wann immer Du an einen Ort gehst, an dem Du angegriffen werden könntest, das kann praktisch heute überall sein, vom Geldautomaten bis zu Deiner Haustür, musst Du immer „taktisch denken" und das bedeutet, das Deine situationelle Aufmerksamkeit schon von Weitem beginnt. Distanz ist gleich Reaktionszeit und Reaktionszeit bedeutet Überleben. Deshalb musst Du die gleichen guten Angewohnheiten entwickeln wie sie auch Streifenpolizisten haben, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden und all das beginnt schon während sie auf dem Weg dorthin sind.

Wenn ein Polizeibeamter einen Einsatzbefehl von der Funkzentrale erhält, zum Beispiel, dass er zu einem Banküberfall beordert wird, dann beginnt er oder sie in Gedanken alle möglichen Szenarios durchzuspielen, die passieren könnten, und zwar bevor er am Einsatzort ankommt. Das nennt man auch „Kriegsspiele". Sie denken nicht darüber nach was sie am Abend essen werden, sondern sie denken taktisch wie zum Beispiel: Was werde ich tun, wenn ich einen Fluchtwagen von der Bank wegfahren sehe? Was passiert, wenn ich einen bewaffneten Bankräuber aus der Bank kommen sehe, während ich gerade eintreffe? Wo ist eine mögliche Deckung? Was ist, wenn die Funkzentrale mir nicht alle Informationen gegeben hat und es befinden sich mehrere Verdächtige in der Bank statt einer? Wo positioniere ich mich selbst, wenn die Bankräuber sich in der Bank verbarrikadieren und Geiseln nehmen? Es gibt vieles in Betracht zu ziehen und einige Überlegungen entscheiden über Leben und Tod.

Jim Wagner

Jim Wagner von der Costa Mesa Police Department

Die Lage der Bank ist ohne Frage ein Teil des normalen Streifengangs der Beamten was bedeutet, dass er oder sie genaue Kenntnis über die Ortsbeschaffenheit besitzen. Das heißt, dass der Beamte weiß wie die möglichen Fluchtrouten aussehen und wo sich die eventuellen Verteidigungspositionen der Bankräuber befinden könnten.

Wenn der Beamte am Ort des Geschehens ankommt, wird er seine erhöhte situationelle Aufmerksamkeit aufrechterhalten. Jede Person, mit der in Kontakt kommt, wird er einer Bedrohungsanalyse unterziehen. Hierbei verlässt er sich auf sein Training und seine Erfahrung, um jede Situation die aufkommen kann bestmöglich zu behandeln.

Zu Trainingszwecken möchte ich, dass Du Dir folgendes vorstellst: Du gehst zu einem Geldautomaten in deiner Nähe, einer der auf deinem „Streifengang" liegt und ich werde Dich auf diesem Weg auf einige Punkte bezüglich der situationellen Aufmerksamkeit hinweisen, die Du kennen solltest.

Zuallererst - die meisten Überfälle passieren nachts. Nun, es ist grundsätzlich keine gute Idee im Dunkeln zu einem Geldautomaten zu gehen. Du erhöhst nur die Chancen gegen Dich, wenn Du es tust. Es ist so als würdest Du im Ozean in Kalifornien, wo ich lebe, während der Dämmerung schwimmen gehen. Der Zeit, in der die großen weißen Haie fressen. Du wirst vielleicht nicht gefressen, aber Du erhöhst die Chance allein dadurch, dass Du Dir diese Zeit ausgesucht hast. Das heißt jedoch nicht, dass du Deine Wachsamkeit bei Tag vernachlässigen solltest, während Du zu einem Geldautomaten gehst. Es ist nach wie vor ein „Ort mit hohem Risiko".

Ob Tag oder Nacht, bevor Du Dich irgendwo einem Geldautomaten näherst solltest Du den kompletten Parkplatz und die Umgebung nach verdächtigen Fahrzeugen und Personen absuchen, die sich auf dem Weg zum Automaten befinden könnten. Um einen militärischen Ausdruck zu benutzen, Du beginnst mit Deinen Beobachtungen, wenn Du das Einsatzgebiet (Anm. des Übersetzers „the Area of Operations (AO)) betrittst. Vielleicht liegt ein Krimineller auf der Lauer, um jemanden auszurauben, jedes „weiche Ziel" das vorbeikommt, aber er ist nicht direkt in der Nähe des Geldautomaten. Um unentdeckt zu bleiben führt er seine Beobachtung des „Angriffspunktes von einem Auto aus, das sich in einiger Entfernung befindet oder aber er tut dies von der Ecke eines benachbarten Gebäudes aus. Wenn das nichtsahnende Opfer zum Geldautomaten geht und keine Bedrohung wahrnimmt, das ist der Zeitpunkt, an dem der Kriminelle sich plötzlich auf sein Opfer stürzt. Sich dieser kriminellen Taktik bewusst zu sein, wenn Du jemanden von Weitem „im Schatten warten siehst" mag dazu führen, dass Du von deinem eigentlichen Vorhaben absiehst und Dich von dort fortbegibst. Folge deinem Bauchgefühl und gehe kein Risiko ein. Sicher ist sicher.

Auf der anderen Seite, wenn Du niemanden entdeckt hast der in dem Gebiet lauert und Du hast es sicher bis zum Geldautomaten geschafft, musst Du das tun, was jeder Infanteriesoldat lernt, während er sich auf Patrouille in einem feindlichen Gebiet befindet und das ist ANHALTEN, SCHAUEN und HÖREN. In der zivilen Anwendung sieht dies folgendermaßen aus: Kurz bevor Du Dein Geld ziehst HÄLTST Du vor dem Geldautomaten an. Bevor Du Deine Karte einführst, SCHAUST Du auf alles was sich hinter Dir befindet und Du HÖRST für ein paar Sekunden auf jedes Geräusch, das darauf hindeutet, dass sich jemand auf Dich zu bewegt: Schritte, das Entlangstreifen an einem Auto, das Entsichern einer Pistole. Kriminelle sind Menschen und sie sind anfällig für Fehler wie jeder andere auch, z.B., dass sie keine Lärmdisziplin besitzen. Wenn alles soweit klar ist, führst Du zügig Deine Transaktion aus und gehst. Du willst Deine Zeit in der Angriffszone so gering wie möglich halten. Wenn es jedoch etwas länger dauert als Du gedacht hast und genug Zeit vergeht, in der sich die Bedingungen hinter Dir verändern können, dann führe ein weiteres Mal HALTEN, SCHAUEN, und HÖREN durch. Sicher ist dies auch nicht die richtige Zeit Ohrhörer zu benutzen oder mit jemandem zu telefonieren, dies lenkt Dich nur ab und verringert Deine Sinne in dieser taktischen Situation.

Wenn Du den Geldautomaten verlässt halte Ausschau nach Punkten für einen möglichen Überfall von dort bis zu Deinem Auto oder auf Deinem Weg, wenn Du zu Fuß unterwegs bist. Schließlich hast Du nun Bargeld in der Hand, was Dich zu einem attraktiven Ziel macht.

Nochmal, ich habe den Geldautomaten als unser Trainingsbeispiel genutzt, aber situationelle Aufmerksamkeit beginnt von Weitem für alle Orte, die Du besuchen willst. Du musst damit anfangen, das was ich Dir gerade beigebracht habe in die Praxis umzusetzen, und zwar schon für den nächsten Ort, den Du aufsuchen wirst. Am Anfang wirst Du noch bewusst darüber nachdenken was Du tust, aber eventuell wird es zu Deiner zweiten Natur werden, im Polizeijargon nennt man das Muskelmemory.

BE A HARD TARGET

Folge Jim Wagner auf:

Facebook

Twitter

Instagram

Dieser Blog wurde von Jörg Kuschel übersetzt, Mein Student, zertifizierter Ausbilder und guter Freund. Jörg war all die Jahre an meiner Seite, hat bei meinen Kursen assistiert, mich über die Trends in Deutschland (Kriminalität, Terrorismus und die Kampfkünste) auf dem Laufenden gehalten und das Jim Wagner Selbstverteidigungs System (Jim Wagner Reality-Based Personal Protection) promotet.

Kontakt: kenju-ryu.de/reality-based

Black Belt Magazine has a storied history that dates back all the way to 1961, making 2021 the 60th Anniversary of the world's leading magazine of martial arts. To celebrate six decades of legendary martial arts coverage, take a trip down memory lane by scrolling through some of the most influential covers ever published. From the creators of martial art styles, to karate tournament heroes, to superstars on the silver screen, and everything in between, the iconic covers of Black Belt Magazine act as a time capsule for so many important moments and figures in martial arts history. Keep reading to view the full list of these classic issues.

Keep Reading Show less

Every Sport karate competitor knows how hard it is to get through one routine, let alone several of them. Each routine is only about a minute and a half, but this minute and a half is composed of nonstop hard- hitting movements that take a lot of energy from the body. The more events a competitor competes in, the more in tune they need to be with their body and training. I typically compete in six events (some of which all are ran the same night, within the span of just over an hour). After those six divisions are completed, if I were to win any of the events, there are other rounds; "overall grands", which means I would compete again the following day. There is a very specific type of training that needs to be done in order to obtain success inside the ring.

Keep Reading Show less

On Saturday, May 15, ONE Championship returned with a sensational five-bout card capped off by a ONE Heavyweight World Championship main event.

Arjan "Singh" Bhullar became the first heavyweight in ONE to topple Brandon "The Truth" Vera at ONE: Dangal and became India's first-ever mixed martial arts World Champion in the process. The former Commonwealth Games gold medalist adds to his collection of accolades and now leads a division that is only deepening with talent by the day.

What else went down in Singapore? Here is your chance to catch up with a recap of all the happenings from ONE: Dangal.

Keep Reading Show less